Hans Christ IPS-Köln - Institut für angewandte Psychoanalyse und Systemforschung

Konzeptrelevante  Arbeiten

 

H. Christ:

Empathie und Mustererkennung                 

Veröffentlicht in: Systeme 2 / 2011, 77-92

Zusammenfassung:

Empathiefähigkeit ist als zentrales Therapeutenmerkmal in ansonsten unterschiedlichen therapeutischen Schulen anerkannt. Sie ist aber auch ein zentrales Patientenmerkmal, denn schwere psychische Störungen gehen meist mit einer massiven Beeinträchtigung von Empathiefähigkeit einher. Frühe Spiegelungsprozesse wurden insbesondere von Psychoanalytikern für die Entwicklung von Empathie und einer „theory of Mind“ als wesentlich herausgestellt. Dies wird durch die moderne Säuglings- und Bindungsforschung eindrucksvoll bestätigt. Mit der Entdeckung von sog. Spiegelneuronen Mitte der neunziger Jahre wurde ein „Hype“ durch eine Flut neurologischer Arbeiten zur Empathie ausgelöst. Spiegelneuronen schienen die Fähigkeit bereitzustellen, sich in andere hineinzuversetzen und damit Entscheidungsfindung und Handlungen weitgehend intuitiv zu begründen. Immer mehr Veröffentlichungen schrieben diesen Zellen immer fantastischere Fähigkeiten zu, die inzwischen aus den eigenen Reihen der Neurowissenschaftler hart kritisiert werden.

Im Folgenden skizziere ich einige wesentliche Beiträge aus den Bereichen Philosophie, Psychologie und Neurobiologie, um die Dimensionen von Empathie im Spannungsfeld präreflexiver und reflexiver Prozesse zu verdeutlichen. Meine Betonung liegt dabei auf der besonderen Bedeutung rationaler Anteile empathischer Prozesse zur Entdeckung von Strukturähnlichkeiten und damit von Mustererkennung. Diese können gelernt und strategisch eingesetzt werden. Sie sind von großer Bedeutung für Wahrnehmungserweiterung und Perspektivenveränderungen in unserer Arbeit. Ich werde dies zum Schluss in der Analyse eines Supervisionsfalles zu verdeutlichen versuchen.

Schlüsselwörter:

Empathie, Spiegelneuronen, Spiegeln, präreflexive Empathie, Reflexive Empathie in Supervision und Therapie

 

Die Freiheit, die wir meinen

Ausschnitte aus der Kyoto Rede von Jürgen Habermas

 

H. Christ:

Dissoziation als Leistung und Störung 

Veröffentlicht in: Systeme Jg 19, Heft 2/2005, S.234-266

Zusammenfassung

Dissoziative Prozesse der Spannungsregulation können Alltagsphänomene ebenso gut erklären wie Krankheitsphänomene. Ich beginne mit dem vernachlässigten Alltagsbereich salutogenetisch bedeutsamer Dissoziation für Erholungsprozesse, affektive Diskriminierung und die Förderung von kreativen Prozessen und wende mich darauf der Begriffsgeschichte zu um dann den heutigen Stand der Dissoziationsforschung zu skizzieren. Unter Berücksichtigung neurowissenschaftlicher und mentalistischer Konzepte der Psychoanalyse und Bindungsforschung stelle ich ein Aufmerksamkeitsmodell der Dissoziation vor. Komplexitätsreduktion als Prozess der Erregungsabkopplung durch Konstriktion und Selbsterregung verdeutliche ich an Fallmaterial aus der eigenen Praxis als Psychotherapeut und Supervisor. Therapeutische Überlegungen beschließen die Arbeit.

Schlüsselwörter: Dissoziation, Aufmerksamkeitsmodell , Reflexive Kompetenz, Sinnattraktor Bindungstheorie, Chaostheorie,Psychotherapie

Abstract

Dissociative Processes of stress regulation can explain everyday phenomena just as well as pathological ones. The article starts with the usually neglected everyday domain of salutogenetically significant dissociation for processes of regeneration, affective discrimination and support of creative processes. It goes on with the history of the term dissociation and then outlines today's state of the art. Including   neuro-scientific and mentalistic concepts of psychoanalysis and attachment theory, I will present an attentional model of dissociation. Reduction of complexity as a process of disconnecting arousal by constriction and self-excitation will be shown in case-studies from my practical experience as a psychotherapist and supervisor. The article will end reflecting therapeutical conclusions.

Key words: Dissociation, attentional model,   Reflexive Competence, sense attractor attachment theory, chas theory, Psychotherapy

 

H. Christ:

Dissoziative Bindung und familiale Traumatisierung

veröffentlicht in: W.M. Zenz, K. Bächer, R. Blum-Maurice (Hrsg.): Vernachlässigung, Armut und Unterversorgung in Deutschland, PapyRossa Verlag,   Köln, 2002,   S. 88-102.

Unser Wissen über Bedeutung und Wirkung frühester Interaktionserfahrungen ist durch die Ergebnisse von Säuglings- und Kleinkindforschung in den letzten 20 Jahren rapide gewachsen. Heute müssen sich Psychoanalytiker, Lerntheoretiker und  Systemiker mit der Bedeutung biologischer Bindungsorganisation und der Unzulänglichkeit konstruktivistischer Ansätze im Traumabereich auseinandersetzen. Wirklichkeit wird nicht willkürlich oder zufällig erfunden, vielmehr hat die Konstruktion subjektiver Realität mit der Geschichte früher Bindungserfahrung zu tun. Moderne Entwicklungspsychologie und Bindungsforschung eignen sich besonders gut  zur Erfassung dieser Zusammenhänge.

 

H. Christ

 

Individuelle Entwicklung und Familie:

Die Bedeutung früher Bindungsmuster für die Entwicklung epistemischer Systeme

In: Kontext 1.1993. ,Vol Nr. 23 S.48-60

Im Folgenden möchte ich einige Gedanken zur Entwicklung epistemischer Systeme vortragen und damit auch zu einer kritischen Auseinandersetzung mit gewissen Tendenzen konstruktivistisch mißverstandener Beliebigkeitsideologien von Wahrnehmung und Konversation anregen.

Meine Gedanken zur Entwicklung von epistemischen Systemen beziehe ich hier auf drei verschiedene Ebenen.:An den Beginn meiner Betrachtungen stelle ich den Bedeutungswandel gruppenspezifischer Episteme (Paradigmata) in Psychoanalyse, Familientherapie bzw. systemischer Therapie. Im Mittelpunkt werden dann Beiträge von Bindungs-und Säuglingsforschung zur Entwicklung  persönlicher Episteme stehen. Zum Schluß werde ich mich auschnittsweise mit therapeutischen Epistemen befassen.

 

 

 

 

Auswahl früherer Veröffentlichungen

Christ, H.: Ein Modell zur Erfassung familialer Systeme, in: Klüwer, C., Christ, H., Elbert, M. u. Krebs, E.: Dissozialität, Familie, Institution. Unveröff. DFG-Forschungsbericht (KL 413) Transaktionen (Interaktionsmuster ) in Familien mit neurotisch-dissozialen Jugendlichen, Köln 1983, S. 25 - 47

Christ,H.: Dissozialisierungsprozesse aus familientherapeutischer Sicht. In: Gruppenpsychotherapie und Gruppendynamik Heft 1, 1985, 38-51

Christ,H: Familientherapeutische Aspekte jugendlicher Dissozialität; In: Rotthaus,W.:Psychotherapie mit Jugendlichen, Dortmund, 1985

Christ,H.:Neurotische Dissozialität und Delinquenz In: Remschmidt,H. u. Schmidt, K. (Hg): Kinder und Jugendpsychiatrie in der Praxis, Bd 3. Stuttg. 1985

Christ, H., Wedekind, E.:Zur Praxis systemischer Institutionsberatung. In: Z.syst.Ther. Heft 3, 1988

Christ, H.: Individuelle Entwicklung und Familie-Die Bedeutung früher Bindunsmuster für die Entwicklung epistemischer Systeme-. In: Kontext 1.1993. ,Vol Nr. 23 S.48-60

Christ, H.: Familiale Beziehungsmuster zwischen Verwahren und Verwahrlosen. Beiträge von Familientherapie, Psychoanalyse und experimenteller Kleinkindforschung zum Verständnis von Bindungsstörungen. In:P.Kürner, R.Nafroth (Hg.): Die vergessenen Kinder, PapyRossa Verl., 1994